Der Islandpullover

Islandpullover sind das Kleidungsstück an das man denkt, wenn man an isländische Kleidungsstücke denkt. Wahrscheinlich gibt es sogar mehr Pullover als Schafe auf der Insel. Und das zu Recht! Islandpullis zeichnen sich durch eine Reihe nützlicher Eigenschaften aus und lassen sich dadurch zu vielen Gelegenheiten tragen.

Aber was genau macht Islandpullover eigentlich so besonders?

Wolle von Isländischen Schafen

Islandpullover werden aus der Wolle von isländischen Schafen gestrickt. Das ist ja auch naheliegend bei einem Land, dessen Schafpopulation höher ist als die Einwohnerzahl.
Da sich die Schafe schon seit hunderten Jahren an das isländische Klima gewöhnen konnten, hat sich ihr Fell natürlich angepasst. So kommt das äußere raue Deckhaar Tog mit den Eigenschaften, Wind und Wasser abzuhalten, die feine und weiche Unterwolle Þel sorgt für Wärme. So ergänzen sich die beiden Fellschichten hervorragend und sind ideal auf das isländische Klima eingestellt.
Isländische Wolle vereint diese beiden Fellarten. So werden Tog und Þel in der Spinnmaschine zusammengeführt und zur isländischen Lopi Wolle versponnen.
Lopi gibt es in verschiedenen Formen: Möchte man einen richtig schönen muckelig-warmen Winterpulli, sollte man darauf achten, dass er aus dicker Islandwolle (Plötulopi, Álafosslopi) gestrickt ist. Dünnere Kleidungsstücke werden in der Regel aus Léttlopi oder - noch dünner - Einband Wolle gefertigt.
Egal, aus welcher Wolle der Islandpulli gestickt ist, am Ende ist er atmungsaktiv, leicht und vor allem angenehm wärmend.

In einem Stück gestrickt

Neben der Wolle ist die Stickart der Islandpullis eine Besonderheit und hebt sie von Norwegerpullis, mit denen sie oft verwechselt werden, ab. Lopapeysa, wie sie in Island genannt werden, werden nämlich in einem Stück von unten nach oben gestrickt und haben dadurch keine Nähte.
Das sieht so aus, dass man zunächst die Ärmel strickt und auf ihrer Nadel zur Seite legt bis man den Körper bis hoch zu den Achseln gestrickt hat. Nun werden alle Teile zusammengefügt und in der typischen Rundpasse (der Teil mit dem Muster an Brust und Schultern) weiter gestrickt. Das klingt übrigens komplizierter als es wirklich ist , weshalb ich Strickanfängern und Strickanfängerinnen auf jeden Fall zum Islandpulli raten würde.

Von der Landschaft inspiriert

Meist haben Islandpullis traditionelle Muster, die an die isländische Natur angelehnt sind. Farblich liegen sie meist im Bereich der Naturfarben wie weiß, grau, beige, schwarz und braun.
Das typische Muster zeigt sich insbesondere in der Rundpasse an Brust, Schultern und Hals, aber auch an den Säumen an der Hüfte und den Ärmeln.
Inzwischen erfreuen sich die Isländer auch an modernen Mustern, so findet man heute auch viele Pullis mit Islandpferden, Papageientauchern oder in bunten Farben.

Vom Pullover zum kompletten Kleiderschrank

Gab es den Islandpullover lange Zeit nur als Pullover, kommt er heute in vielen Formen daher. Besonders beliebt sind sie mit Kapuze oder als Strickjacke. Lopapeysa gibt es auch als Pullunder, kurzärmlige Pullover und sogar als Kleid. Die Muster werden auch oft für Handschuhe, Mützen und sogar Strickjacken benutzt.

Ein Pulli für alle Fälle

In Island sieht man den Islandpulli überall. Er wird zur Arbeit im Büro genauso getragen wie auf dem Fischkutter oder bei der Arbeit mit den Pferden und Schafen. Im Winter zieht man einfach noch ein Sweatshirt drunter oder eine Jacke drüber.
Gerade da, wo viele Isländer zusammenkommen, kann man den Pullover in allen Formen und Farben betrachten. Zum Beispiel auf isländischen Festivals wie dem Secret Solstice zur Mitternachtssonne oder zum Réttir, dem Viehabtrieb im Herbst.
Seine Eigenschaften machen ihn so universell einsetzbar: einerseits ist er wasserabweisend (natürlich nicht bei Starkregen), andererseits wärmt er immer genau richtig und das selbst dann noch, wenn er feucht ist.
Ich persönlich trage meine Islandpullis gerne beim Wandern weil sie nicht zu warm und nicht zu kalt sind und den Wind abhalten. Außerdem nehmen sie ja eher schwer Gerüche an, das hat seinen Vorteil wenn man länger als einen Tag unterwegs ist.
Ansonsten trage ich ihn gerne wenn ich im Winter längere Zeit draußen verbringe oder weiß, dass es kalt werden könnte.

Über den Gast-Autor:

Sabrina reist seit 2013 regelmäßig nach Island. Wenn sie nicht auf der Insel im Norden ist, trägt sie ihren Islandpulli um zumindest das passende Gefühl zu bekommen. Auf Halló Ísland schreibt sie über ihre Islandreisen und gibt Tipps rund um die eigene Islandreise.

 

Bücher zum Thema Island-Schaf, Leben in Island, etc.